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Das kluge Mohrchen





Wie wir uns einer kleinen Gesellschaft jugendlicher Zuhörer erfolgreich als Zauberkünstler vorstellen können, soll folgende kleine Beschreibung zeigen. Aber auch nur für sich allein werden die physikalischen Versuche mit Reibungselektrizität (um solche handelt es sich) viel Spaß machen.

Wir stellen uns als den Hofzauberkünstler Professor Scharlatan des Negus von Abessinien und des Schahs von Persien vor. Wir werden zeigen, dass es mit Hilfe der natürlichen Magie gelingt, nicht nur einen lebenden Pudel, sondern sogar einen papiernen abzurichten.

Dann klingeln wir nach dem Gehilfen, der als bald mit einem Aufwart-Brettchen erscheint, auf dem ein kleiner Stearinlichtstumpf liegt mit einer senkrecht darin mit dem Öhrende hereingesteckten Nadel (damit das besser geht, kann man das Öhr vor dem Einstecken einen kurzen Augenblick in einer Kerzenflamme erhitzen), daneben der kleine, eigentümlich zugeschnittene Pudelhund, den unsere Abbildung zeigt.

Der Pudel wird zuerst nach der Zeichnung abgemalt - er hat etwa 5 cm Länge von Schnauze zu Schwanzende - dann erhitzt man das Papier auf einem warmen Blech und reibt dem Ende einer Stearinkerze darauf herum, wobei sich das Papier mit Stearin tränkt. Der Papierhund wird in der Weise, wie es die Zeichnung erläutert, zusammen geknickt und mit diesem Knick auf die Nadelspitze gesetzt. Man bittet das Publikum, sich zu überzeugen, dass alles ohne Apparate, ohne doppelten Boden, ohne Drähte und schwarze Fäden sei.

Dann klingelt man wieder dem Gehilfen. Derselbe erscheint mit seinem Brettchen, auf dem ein mit drei magischen Pentagramm (Fünfspitzen) bezeichneter, gewöhnlicher Quartbogen und ein ungespitzer Bleistift, den man für einen Zauberstab erklärt, ruht.

Mit allerlei Bimbamborium und unter Aussagung hält man den Bogen mit den Zeichenhund dicht über dem Papier und führt ihn mehrfach darüber hin und her, während man den Zauberstab (Bleistift) mit dem freien Ende an den Fuß der Stopfnadel des ausgestellten Wunderpudels hält. Man nimmt den Bleistifte weg und dann erst den Papierbogen.

Der Assistent hat nun mit dem Papierbogen ganz kurz, bevor er ihn herein brachte, eine kleine Manipulation vorgenommen: er hat ihn auf eine warme Platte, zum Beispiel die heißen Kacheln eines Ofens, gehalten und kräftig darauf mit der flachen Hand herumgetrieben. Durch diese Behandlung wird der Bogen stark reibungselektrisch, wie geriebener Hartgummi, und das ist ein Teil unseres Zaubergeheimnisses.

Bei der Vornahme der Manipulation vor den Zuschauern wird nun der Papierhund wiederum elektrisch gemacht, und nun tut er das, was wir ihm befehlen.
Wir befehlen nämlich nun dem Hunde, unserem Finger zu folgen. Und wirklich: Halten wir den Finger in die Nähe des Kopfes, so dreht sich der elektrische Papierhund so herum, bis er den Finger berührt; er macht das sowohl nach rechts nach links. Wir lassen nun einen Zuschauer kommen und befehlen dem Hunde das gleiche zu tun, Mohrchen macht es natürlich bei jeder Person.
Dann erklären wir, dass Mohrchen noch viel eifriger folge, wenn man ihm eine Wurst vorhalte, und klingeln abermals nach dem Assistenten. Der erscheint mit einem Zauberstab, diesmal einer ungebrauchten Stearinkerze, die er ganz kurz zuvor recht kräftig auf seinem Kopfhaar reibt, wodurch sie ebenfalls sehr stark elektrisch wird. An die Kerze ist die völlig unwesentliche Papierwurst gebunden. Mohrchen dreht sich nun mit riesigem Eifer auf die elektrische Kerze zu, man befiehlt ihm, sich links und rechts herum zu drehen, indem man selbst die Kerze in dieser Richtung rechts und links herum, er gehorcht mit geradezu komischer Ausdauer.
Nun erklärt man, dass Mohrchen sogar eine sehr gute Nase habe und der Wurst folge, wenn er sie nicht sehen, sondern nur riechen könne, und klingelt dem Assistenten abermals. Der erscheint nun mit einer Papierrolle, die weit genug ist, um über die ganze kleine Vorrichtung gestülpt werden zu können, durch das obere offene Ende kann man den Papierpudel indes beobachten. Die Papierrolle besteht aus einem Quartbogen, den der Assistent schon zuvor auf eine warme Ofenplatte gelegt hatte. Man rollt den Bogen zusammen und sichert ihm gegen das Wiederaufrollen durch zwei zusammen geknotete Fäden. Gerieben wird diesmal der Bogen nicht. Außerdem bringt der Assistent eine neue Wurst an einem Zauberstab (auf dem Kopfhaar kräftig geriebener Stearinkerze). In der Tat folgt auch Mohrchen hinter seiner Papierrolle der Wurst und der Kerze, trotzdem er beide nicht sehen kann. Nur heißt es nicht zu lange warten, denn einige Zeit nach dem Erhitzen, sobald nämlich das Papier der Rolle Feuchtigkeit aus der Luft gezogen hat, folgt Mohrchen der Kerze nicht mehr.

Und dann überlässt man den ganzen Zauberapparat den Zuschauern, sie möchten versuchen, die Sache nach zu machen. Es gelingt ihnen natürlich nicht. Der anfangs benutzte Papierbogen ist inzwischen unelektrisch geworden, die Kerze mit der Wurst auch, und die Papierrolle hat Feuchtigkeit angezogen und macht nun nicht mehr mit.

- Wie die Sache zu Stande kommt, wissen unsere Leser, die in der Schule die Lehre von der Reibungselektrizität kennen gelernt haben. - will man als Zauberkünstler auftreten, so muss man die Sache vorher mit dem Gehilfen gut durchproben, damit auch alles richtig klappt.
 



Dieses Bastelmaterial wird in den alten Büchern am häufigsten verwendet:

Falzbein
Graupappe
Marmoriertes Papier
Kleister
Knochenleim

Modernes Bastelmaterial, dass sich gut für die Bastelarbeiten eignet:
Graupappe
Scrapbooking-Papiere
Bastelkleber
Decoupagekleber
Decoupagepapiere
Geschenkpapier
Kleister

 

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