Das Zuschneiden und Überziehen von Papptafeln - Teil 3
Das Überziehen oder Aufkleben kann auf verschiedene Weise bewerkstelligt werden. Wir wollen diese nacheinander besprechen, da es lauter Vorarbeiten für spätere Gegenstände sind und wir oft darauf zurückkommen werden.
1) Die Papptafeln wird gerändelt oder gerändert und es werden zu diesem Zwecke gleich breite Streifen von farbigen Papier geschnitten, welche aber höchstens dreimal so breit sein dürfen, als die Pappe auf jeder Seite breiter ist, wie der zugeschnittene Kalender. Zwei Stück davon mache man nun etwas länger als die beiden längsten Seiten der Pappe, um sie an den kürzeren Seiten herumschlagen zu können. Diese beiden Streifen werden übereinander auf eine Anstreichpappe oder ein Anstreichblech gelegt, unten mit zwei Fingern gehalten und von den Fingern aus nach oben (ja nicht umgekehrt) mit dem Pinsel, der Stärkekleister enthält, gestrichen (Pinselführung siehe Abbildung).
Hierauf werden die Finger hinweggenommen und nur mit den Spitzen derselben die Streifen oben festgehalten, damit der Pinsel von diesen aus jetzt nach unten geführt werden kann. Auf diese Weise können sich die Streifen nicht verschieben, selbst dann nicht, wenn man mehrere aufeinander gelegt hat.
Will man letzteres tun, so schiebe man das Paket Streifen durch gelindes Drücken von der einen langen Seite etwas auseinander, so dass jeder Streifen etwa einen halben Millimeter über den andern hervorragt und streiche herzhaft mit dem Pinsel über dieselben hinweg. Auf diese Weise werden die Streifen auf der Vorderseite weniger beschmutzt, als wenn man jeden einzelnen auflegt und zu jedem einen reinen Fleck auf der Anstreichpappe aussuchen muss.
Nachdem die Streifen angestrichen sind, wird auf einen derselben die Mappe so aufgelegt, dass die Kante derselben auf die Mitte des Streifens zu liegen kommt, und durch leichtes Streichen mit den Fingern beider Hände (von der Mitte nach außen) festgestrichen.
Hierauf werden an den Ecken die Streifen wie bei a (Abbildung oben) schräg geschnitten, doch so, dass die Schere nicht hart an der Ecke der Pappe vorbeischneidet, sondern 1 bis 2 mm stehen lässt, und nun werden die beiden überstehenden Teile fest herumgeklebt.
Wollte man die lange Seite des Streifens zuerst umschlagen, so würden die Ecken nicht gut ausfallen, daher werden die letzteren, nachdem sie herumgeklebt sind, entweder mit dem Nagel des Daumens oder mit dem Falzbein an der Kante oben eingedrückt.
Die übrige lange Seite des Streifens kann auf diese Weise sehr sauber herumgeklebt werden, dass man alles auf ein Stück Makulatur legt und, indem man die Pappe festhält, mit der anderen Hand das Stück Makulatur samt dem Streifen herüberzieht und feststreicht. Bei Papieren, welche leicht abfärben, muss dies Verfahren überhaupt angewandt werden. Ferner ist es feste Regel, der stets nach dem Ankleben der einen Seite zunächst die gegenüberliegende genommen werden muss.
Sowie die beiden langen gegenüberliegenden Seiten angeklebt (gerändert) sind, werden die beiden anderen kürzeren Streifen von der selben Breite wie die ersten zugeschnitten. Aber deren Länge muss auf beiden Seiten wenigstens einen halben Millimeter kürzer sein, als die Länge der Pappe beträgt; denn nie darf das Überzugpapier über die Kanten hinaus stehen. Vor dem Anstreichen und Aufkleben werden dieselben an beiden Seiten ebenfalls schräg geschnitten, jedoch nicht in der Weise wie oben, sondern wie Abbildung unten zeigt, und zwar so, dass das Papier an den Ecken entweder auf beiden Seiten oder nur auf der Vorderseite schräg zu läuft.
Auf jeden Fall muss die schräg geschnittene Seite auf die Vorderseite der Tafel geklebt werden, also auf diejenige, die bis jetzt am glattesten ist, und nicht auf die, auf welche die Streifen herübergeklebt wurden.
Auf dieser vorderen Seite wird nun, nachdem dieselbe überall gerändert ist, der Kalender aufgeklebt. Letzterer wird zu diesem Zweck auf die Anstreichpappe, welcher, wenn sie beschmutzt ist, noch ein Stück Makulatur aufgelegt wurde, gelegt, um mit Kleister bestrichen zu werden.
Doch ist hierbei zu bemerken, dass der Pinsel stets von der Mitte nach den Seiten, nicht umgekehrt, zu führen ist, denn sonst schlägt sich leicht eine Ecke um, und die farbige Seite des Papiers wird vom Klebstoffe verunreinigt.
Nachdem das Blatt gleichmäßig mit Kleister bestrichen ist, wird es auf die geränderte Papptafeln gelegt, so dass der bunte Rand überall gleichbreit übersteht. Wenn es dann mit der Hand leicht angedrückt worden ist, so dass es sich nicht mehr verschieben lässt, wird noch ein Stück Makulatur darauf gelegt und mit beiden Händen fest angerrieben. Ein Falzbein hierbei anzuwenden ist nicht nötig, ja es kann die Arbeit sogar verderben.
Ist die überzogene Tafel (Kalender) fertig und trocken, so wird sie sich konkav, das heißt nach der Vorderseite hohl geworfen haben, welches dadurch zu beseitigen ist, dass man auf die Hinterseite ebenfalls ein Stück Papier möglichst von derselben Stärke klebt; denn wollte man ein stärkeres nehmen, als der aufgezogene Kalender ist, so würde sich die Tafel wieder nach der anderen Seite werfen.
Bei Wandkalendern, welche aus zwei gleichen Blättern (Januar bis Juni und Juli bis Dezember) bestehen, regelt sich dies übrigens von selbst. Und um die Tafel an der Wand zu befestigen, schlägt oder sticht man oben in die Mitte ein Loch ein, durch welches man ein Faden durchziehen kann.
Ist es eine Landkarte, überhaupt ein Gegenstand, der nur auf einer Seite gebraucht wird, so kann, ehe man die Hinterseite überzieht, vorher noch ein Bändchen mit Ring oder ohne denselben befestigt werden. Soll das erstere Geschehen, so braucht das Bändchen höchstens 4 cm lang und 3-4 mm breit zu sein (Stickbändchen). Es wird durch den Ring gezogen, in der Mitte zusammengelegt und mit beiden Enden auf der Hinterseite der Papptafeln genau oben in der Mitte festgeklebt. Soll es aber ohne Ring zum Aufhängen dienen, so dürfen die Enden nicht genau auf-, sondern müssen gekreuzt nebeneinanderliegen. Hierzu wird auch das Bändchen etwas breiter und 4 cm lang genommen.
