Gebrauch der Werkzeuge - Teil 2
Nie lasse man das Messer stumpf werden, sondern ziehe es, wenn es nicht mehr recht schneiden will, sofort auf dem Steine ab. Beim Abziehen muss darauf gesehen werden, das nicht etwa durch unpassendes Streichen auf dem Stein die Spitze des Messers verloren geht.
Der Stein muss fest auf den Tisch gehalten werden, und es darf die Spitze nicht, wie oben gezeigt, Bogen beschreiben, sondern man legt den Zeigefinger auf die Klinge vorne nach der Spitze zu, drückt dieselbe möglichst flach auf den mit Wasser benetzen Stein und zieht dann jede Schneide von beiden Seiten nacheinander ab (Abbildung unten).
Ist Letzteres einige Mal geschehen, so wird die Spitze des Messers gewendet und so fort, bis beide Schneiden mehrmals abgezogen sind. Hierauf befühlt man die Schneiden, ob sich ein Grat gebildet hat. Ist dies der Fall, so muss das Abziehen so lange fortgesetzt werden, bis das Messer scharf ist; glänzt die Schneide von vorn gesehen noch, so ist dies nicht der Fall.
Sollte jedoch endlich alles Abziehen nichts mehr helfen, so muss das Messer geschliffen werden. Dieses lässt man von einem Schleifer machen oder von einem Handwerker, der das Schleifen versteht.
Mit großem Vorteil kann man zum Scharfmachern der Messe ein Stück Schmiergelleinwand verwenden. In den Eisenwerkzeughandlungen und in manchen Metallwerkstätten erhält man verschiedene Nummern, von welchen man sich die feinsten aussucht. Das Messer wird beim Schleifen wie auf dem Abziehsteine geführt, das heißt recht flach aufgelegt.
Ein drittes Werkzeug ist ein eisernes Lineal von wenigstens einem halben Meter Länge, und man sehe zu, dass sich ein solches finden lässt, welches entweder gar nicht, oder doch nur auf der einen Seite abgeschrägt ist. An der abgeschrägte Seite darf auf keinen Fall geschnitten werden; denn das Messer kann hier sehr leicht abgleiten und über die Finger der linken Hand fahren, wobei nicht selten recht schlimmer Verwundungen vorkommen. In Ermangelung eines eisernen kann auch ein hölzernes Lineal genommen werden, doch wird derjenige, welcher im Pappeschneiden noch nicht sicher ist, oft hineinschneiden und ist dadurch sehr bald verdorben.
Ein viertes Werkzeug, welches hier nicht unerwähnt bleiben darf, ist der Pinsel, und zwar muss man deren zwei Stück haben, einen für Leim und einen anderen für Kleister. Der angehende Papparbeiter denkt hier gewöhnlich, dass er, weil er nicht so viel zu arbeiten habe als ein Buchbinder, auch keinen so großen Pinsel als dieser brauche. Die Folge davon ist, dass die Klebematerialien mit einem kleinen Pinsel langsam und ungleichmäßig aufgetragen werden, und die Arbeiten, besonders bei Leim, unsauber ausfallen. Der Pinsel muss so groß sein, dass er nicht mit drei Fingern geführt werden kann, sondern dass die ganze Hand dazu gehört, um ihn richtig zu fassen.
Die übrigen Werkzeuge, wie Schere, Winkel, Zirkel und Falzbein bedürfen weiter keiner Besprechung, nur ist zu bemerken, dass Schere und Falzbein vorn spitzig sein müssen. Sollte kein spitziges Falzbein zu bekommen sein, so mag man eine abgestufte Spitze daran schleifen und dieselbe auf dem Abziehsteine glatt polieren.
spitzes und stumpfes Falzbein
So sieht ein "echtes" Falzbein aus - erhältlich in Bastelgeschäften
