Herstellung von Nähkästen, Schatullen usw. - Teil II
Hierauf wird der Kasten ausgefüttert, wozu auch das Überziehen des Halses gehört, und es ist genau darauf zu achten, dass die angegebene Reihenfolge eingehalten wird, sowie auch, dass Kleister genommen werden muss. Nachdem das Papier gewählt ist, entweder Glanz- oder Naturpapier oder so genannter Walzendruck, schneidet man 4 Stück Streifen 1 cm breit und überzieht damit den Hals nur an der Stelle, welche man den Falz nennt, so dass das Papier von der einen punktierten Linie bis zur andern geht.
Zuerst wird der Streifen an der unteren punktierten Linie angesetzt und nach beiden Seiten je 1 cm umgeschlagen, hierauf wird mit dem Falzbein, nachdem man vorher ein Stück Makulatur aufgelegt hat, damit das farbige Papier nicht wund gerieben wird, der Falz eingerieben und an den Ecken wohl verarbeitet, wozu man einen senkrechten kurzen Schnitt machen darf.
Sind zwei gegenüberliegende Seiten fertig, so kommen die beiden andern daran, welche, da dieselben an den Ecken nicht herumgeschlagen zu werden brauchen, viel leichter zu machen sind.
Die nächste Arbeit ist das Einsetzen des Bodens, welches geschehen muss, ehe der obere Rand des Halses, sowie die Seitenwände überzogen sind, damit beides nicht beschmutzt wird.
Das Papier zu dem Boden wird etwas größer geschnitten, als der Boden selbst ist, und muss vor dem Einsetzen besonders gut mit Kleister angestrichen werden. Hierauf wird dasselbe gleichmäßig in den Kasten hinuntergelassen, damit von dem überstehenden Papier auf jeder Seite gleich viel heraufgeschlagen werden kann. Eingeschnitten wird in den Winkeln nichts, sondern es muss das Papier, damit nichts eingerissen wird, mit dem Falzbein vorsichtig verarbeitet werden.
Beim Anreiben oder Feststreichen das Papier wird von der Mitte aus nach dem Rande zu gestrichen, damit keine Luftblasen entstehen. Sollten zuletzt dennoch einige derselben vorhanden sein, welche durch Anreiben nicht weggehen, so steche man mit einer Nadel einige Löcher, und sie werden verschwinden.
Hierauf wird der Hals überzogen, und die Streifen dazu werden im Falz angesetzt, an den beiden Seiten herumgeschlagen und oben, ohne dass man an den Enden etwas hinweg schneidet, 5 mm breit eingeschlagen.
Bevor die Seitenwände im Innern ausgefüttert werden, muss man, wenn der Kasten ein Scharnier erhalten soll, an beiden Seiten Bänder befestigen, welche, wenn der Kasten geöffnet ist, den Deckel halten. Die Bändchen sind aus Seide und 7 cm lang und 1 cm breit. Sie werden zuerst am Kasten, 1 bis 2 cm von der Hinterwand entfernt, am Innern der beiden Seitenwände befestigt und erst später (siehe weiter unten) auch am Deckel zweieinhalb Zentimeter von der Hinterwand. Selbstverständlich gilt dies Maß nur für Kästen von der angegebenen Größe.
Jetzt beginnt das Ausfüttern des Kastens. Zuerst wird der Boden überzogen und zwar so, dass das Papier an allen vier Seiten einen halben Zentimeter an den Seitenwänden hinaufreicht. Hierbei soll nicht eingeschnitten werden, sondern das Papier in den Winkeln ist mit dem spitzen Falzbein fest zu drücken.
Ferner gilt als feste Regel, dass beim Ausfüttern sowie beim Überziehen stets mit zwei sich gegenüberliegenden Seiten begonnen wird und ferner, dass das Papier dieser beiden ersten Seiten rechts und links die Kanten und Winkel vollständig mit überzieht.
Alles spätere Ausbessern an Kanten, Winkeln und Ecken ist Pfuscherei. Aus diesem Grunde wurde auch der Boden des Kastens vorher überzogen und darauf gesehen, dass das Papier auf jeder Seite etwas heraufgeklebt werden konnte, damit die Winkel bedeckt wurden.
Das Papier zu den beiden ersten sich gegenüberliegenden Seiten (gleichviel welche) wird demnach so zugeschnitten, dass es unten am Boden scharf in den Winkeln ansetzt und oben am Rande des Kastens 1 bis 2 mm abspielt; denn es muss beim Zuschneiden stets darauf gerechnet werden, dass das Papier durch das Anfeuchten größer wird. Rechts und links soll das Papier der ersten beiden Seiten je 1 cm größer sein und dort die Winkel überziehen. Das Papier zu den nächsten beiden Seitenwänden soll dagegen so zugeschnitten werden, dass es genau in die Winkel hineinpasst und vom Rande des Kastens oben 1 mm absteht. In gleicher Weise wird nun auch der Deckel ausgefüttert, jedoch vorläufig erst am Boden und den beiden längeren Seiten, dagegen die kürzeren Seiten erst, wenn die Bänder (siehe Abbildung oben) befestigt sind.
Sobald die Arbeit vollständig trocken ist, wird der Deckel auf den Kasten gesetzt und das Scharnier angebracht. Letzteres besteht aus einem Streifen dünnen Zeuges von 1 cm Breite und wird an der Hinterseite des Kastens halb auf den Kasten und halb auf den Deckel mittels Leim geklebt. Jetzt stelle man die Arbeit weg und erst nach einer oder mehreren Stunden mache man den Deckel auf, stelle ihn, nachdem er so unterstützt ist, dass er nicht hinten überfallen kann, etwas mehr als senkrecht (98°, siehe Abbildung oben) und befestigen nun die Bänder auf beiden Seiten am Inneren desselben.
Zuletzt werden die beiden Seitenwände noch ausgefüttert, worauf der Kasten wieder längere Zeit stehen bleiben und trocknen muss. Über das Scharnier wird nun ein Streifen von demselben Papier geklebt, womit der Falz des Kastens und der Rand des Deckels überzogen worden war, und hierauf wird der Kasten von außen überzogen. Dazu wählt man entweder gemustertes Lackpapier oder gepresstes Papier. Auch kann der Falz des Kastens (siehe Abbildung oben), sowie der Rand des Deckels mit Goldpapier überzogen werden, nur benutze man dann gutes, den Bogen zu 50 Pfennig bis 1 Mark; geringeres sieht bald sehr schlecht aus.
