Mineralienkästchen (so genannte Apothekerschachteln) - Teil 2
Das Zuschneiden der Kästchen geschieht so, das die Seitenwände an der Bodenfläche hängen bleiben.
Zu der beispielsweise angegebenen Größe, nach welcher das kleine Kästchen 16 cm² enthält, könnte die Höhe der Seitenwände eineinhalb Zentimeter betragen. Es würden demnach die Pappestückchen zu dieser Sorte Kästchen 7 cm lang und ebenso breit zugeschnitten werden, und da die Seitenwände aller Sorten gleich hoch sein müssen, so wäre das Muster zur zweiten Sorte (32 Quadratzentimeter Bodenfläche) 11 cm lang und 7 cm breit, zur dritten Sorte (64 cm Bodenfläche) 11 cm lang und ebenso breit, und zur vierten Sorte (96 cm Bodenfläche) 15 cm lang und 11 cm breit. Sollte eine größere Sammlung eingerichtet werden, so dass die Menge der Kästchen sehr groß wäre, so können kann man auch die ganze Arbeit bis hierher vom Buchbinder anfertigen lassen, zumal wenn derselbe eine Pappeschneidemaschine (Pappschere) hat.
Die nächste Arbeit ist das Ritzen der zugeschnittenen Packstücke, damit die Seitenwände entstehen. Diese Arbeit kann durch eine kleine Vorrichtung sehr angenehm gemacht werden, die zugleich die Genauigkeit sichert.
Das eiserne Lineal wird nämlich an beiden Enden auf Packstücke gelegt, so dass dasselbe hohl liegt, aber nur soviel, um eine zu den Kästchen zugeschnittene Pappe bequem darunter drehen und schieben zu können. Damit das Lineal fest liegt, werden vier Nägel in der Weise eingeschlagen, wie die Abbildung unten zeigt.
Zwei andere Nägel werden nach unserm angenommenen Maße für die Seitenwände eineinhalb Zentimeter vom Lineal entfernt eingeschlagen, welches genau dadurch geschieht, dass man auf der Pappe eine Linie eineinhalb Zentimeter vom Rande entfernt zieht, dieselbe unter das Lineal schiebt, so dass der genau gemessene Rand hervor steht und nun vor der Pappe die Nägel einschlägt.
Ist die Pappe genau bis an die Nägel geschoben, so drückt man auf das Lineal, damit die Pappe darunter sich nicht verschieben kann und schneidet (ritzt) mit einem scharfen Messer am Lineal herunter. Es ist wieder zu ermahnen, dass auf der Seite des Lineals, wo man schneidet, keine Facette sein darf, weil das Messer leicht abrutschen und über die linke Hand fahren kann.
Der Einschnitt darf nur bis in die Hälfte der Pappe dringen (weshalb man dieses Verfahren auch nur Ritzen nennt), und muss auf derjenigen Seite der Pappe geschehen, welche am Kästchen nach außen kommen soll - wer es umgekehrt macht, verdirbt sich die ganze Arbeit. So werden alle vier Seiten der Pappe behandelt, wodurch die eineinhalb Zentimeter breiten Seitenwände der Kästchen entstehen. Auf diese Weise ist man im Stande, in kurzer Zeit eine Menge sehr genauer Arbeiten zu liefern, und während derselben kann der jüngere Bruder oder die Schwester mit der Schere die vier Ecken (Abbildung unten) ausschneiden und dieselben als Belohnung erhalten. (Da man bei dieser Gelegenheit eine Menge sehr gleichmäßiger eineinhalb Zentimeter große Pappstückchen erhält, so lassen sich dieselben auch als Spielmarken und dergleichen verwenden.)
Hierauf werden die Seitenwände so umgebogen, dass der Ritz nach der Außenseite des Kästchens kommt, denn umgekehrt bricht die Pappe voneinander. Es handelt sich nun darum, die Ecken zu verbinden, weshalb man vorher Leimpapier anfertigen muss. Dasselbe ist recht schwaches aber festes Papier, welches man mit warmem Leim bestreicht und trocknen lässt. Zum Gebrauch für diesen Zweck wird dasselbe in 2 cm lange und eineinhalb Zentimeter breite Stücke geschnitten, wie Briefmarken angefeuchtet und damit die Ecken der Kästchen zusammengeklebt
Zuletzt werden noch die Seitenwände überzogen und man schneidet dazu Streifen von hellgrünem oder anderem Glanzpapier, welche 1 cm breiter sein müssen, als die Seitenwände hoch, und einhalb Zentimeter länger, als das ganze Kästchen Umfang hat.
Hierauf wird der Streifen mit Kleister bestrichen, etwas weichen gelassen und an einer der Kanten des Kästchens, welcher vorher mittels Leimpapier zusammengeheftet war, so angelegt, das derselbe nicht genau an die erkannte, sondern 1 mm davon entfernt ist und oben am Rande sowie unten am Boden des Kästchens einhalb Zentimeter übersteht. Legt man nun den Streifen um das Kästchen herum, so wird am Ende ein halber Zentimeter vom Streifen übrig bleiben; deswegen macht man das erste Stück, welches 1 mm von der Kante absteht, wieder los, so dass das übrig gebliebene einhalb Zentimeter lange Stück darunter geschlagen werden kann, und nun erst werden beide Enden festgemacht.
Hierauf wird das Kästchen mit der linken Hand gefasst, so dass der Boden nach oben zeigt, und mit der Schere die Ecke des halben Zentimeter breiten überstehenden Papiers eingedrückt und abgeschnitten; ist dies geschehen, kann dasselbe am Boden herumgeklebt werden.
Wollte man oben am Rande das überstehende Papier vor dem Einschlagen ebenfalls an den Ecken abschneiden (was Anfänger häufiger tun), so würde das abgeschnittene Stück in den Winkeln fehlen, weshalb weiter nichts zu tun ist, als sofort den Rand oben einzuschlagen, oder wenn das Papier in den Winkel nicht glatt anliegt, in der Richtung der Seitenkanten einen einfachen Schnitt in den Einschlag zu machen und mit dem Falzbein nachzuhelfen.
Die drei Manipulationen: das Absetzen 1 mm von der Kante, die Art, die Ecken am Boden abzuschneiden und das Einschlagen des Papiers nach dem Innern eines Kästchens wiederholen sich sehr oft, weshalb nicht genug empfohlen werden kann, genau darauf zu achten; denn nie darf ein Überzugpapier genau an die Kante oder gar darüber hinaus gesetzt werden oder davon gar etwas fehlen. Höchstens darf man, wenn der obere Rand nach innen zu eingeschlagen werden soll, einen Schnitt in das Papier von oben senkrecht nach der Ecke der Pappe zu machen, aber durchaus nichts wegschneiden.
