Die Herstellung einfacher Lampenschirme
Von eigenartiger, sehr reizvoller Wirkung sind Lampenschirme, wenn sie statt des üblichen Zeichenpapieres aus Ozalid-Lichtpauspapier der Firma Kalle u. Co., A.-G., Wiesbaden-Biebrich, gearbeitet werden. Dieses Papier gibt es in verschiedenen Stärken, vom durchscheinenden Transparent über die (55 g/qm) Schreibpapierstärke zu dem 80, 110, 150, 210 und 260 g/qm (Gramm / auf einen Quadratmeter) stärksten Zeichenpapier. Der Pauston der Zeichnung lässt sich durch die Belichtung vom hellsten bis zum dunkelsten Weinrot abstufen. Die Zeichnung kann flächenweise oder in Strichzeichnung ausgeführt werden. Der Grundton des Papieres ist entweder weiß, er wird leicht elfenbeinfarben, bei Transparent leicht rötlich und die 110 g/qm Stärke gibt es auch in Fraise und einem sehr schönen Hellblau, das bei Unterbelichtung als Kobaltblau anzusprechen ist.
Zu einem Lampenschirm von 40 cm größtem Durchmesser braucht man einen Streifen von 30 cm Höhe und etwa 1 1/2 cm Länge. Um die Lichtpausen herstellen zu können, fertigt man eine Schablone von der angegebenen Höhe und von reichlich 1/2m Länge an, dem dritten Teil der Gesamtlänge. Bei dekorativen Mustern lässt man die Streifenbreite mit den Brüchen übereinstimmen (Abb. 1 u. 2.).
Abb.1: Muster für einen Lampenschirm. Zu beachten ist, dass die Streifen mit den Brüchen übereinstimmen.
Abb.2: Ein anderes Muster
Sehr wirkungsvoll werden Treppenmuster (Abb.4), die im Schirm einem "Feuerrad" (Abb.3) gleichen.
Abb.3: Fertiger Schirm. Das Licht wird hier nach oben geworfen
Abb.4: So ist das Muster für den Schirm nach Abb.3
Auch Bildmotive können schön ausfallen. Meist werden diesen Bildern aber Batik- oder einfache Kantenmuster mit recht wenig Zeichnung vorzuziehen sein. Abb. 6 und 7 zeigen auch Kubusformen.
Abb.6: Form für den Schirm einer Stehlampe
Abb.7: Ein anderes Modell. Der Schirm besteht aus einzelnen
Streifen, die zusammengeklebt werden. Wie die Streifen aussehen, zeigt
Abb. 10
Abb. 10 Noch ein Muster für den Schirm einer Stehlampe
Da das Papier positiv arbeitet, gibt es die Muster so wieder, wie man sich diese entweder auf durchscheinendes Papier gezeichnet hat oder wie man Scherenschnitte aus starkem Papier aufklebte. Die Intensität der Pausfarbe erreicht man durch verschieden gedechte Tonabstufungen der Zeichnungsfarbe. Dekorative Schablonen, wie Abb. 2, setzt man aus ein oder mehreren Lagen von durscheinendem Papier zusammen. Strichzeichnungen kann man auf dem entwickelten Papier mit besseren Auquarellfarben ganz nach Geschmack und Belieben bemalen. Einen besonderen Reiz hat es, bei Schirmen, in die man hineinsieht, die Pauszeichnung nach innen zu nehmen (Abb.5) und die Außenseite einfarbig nach Zimmeranstrich oder im Gegensatz dazu zu bemalen.
Abb.5 Ein anderer Schirm, bei dem sich die Pauszeichnung innen
befindet. Nur um die Ausführung deutlicher zu machen, ist hier die
Zeichnung nach außen zu sehen.
Die Wasserfarbe wird möglichst gleichmäßig aufgetragen und dann mit einem Schwann abgewaschen. So entstehen zarte, seidenähnliche Töne.
Um das Ozalid-Lichtpauspapier richtig belichten zu können, wählt man folgende Anordnung: Auf die platte Unterlage des Plättbrettes legt man einen etwa 55 cm lange und etwa 32 cm breiten Streifen Lichtpauspapier. Darauf legt man die Schablone und deckt eine Glasscheibe darauf. Im Notfalle geht auch ein ausgehängter Fensterflügel. Die Belichtung nimmt man an sonnenklaren Tagen (40-80 Sekunden) oder bei gleichmäßig bedecktem Himmel (5-25 Minuten) vor. An kleinen Proben legt man sich die Zeit genau fest; dies ist besonders bei Farbabstufungen sehr wichtig.
Das positiv arbeitende Papier wird "trocken" in Ammoniakdüften entwickelt. Hierzu nimmt man eine genügend große, lichtdicht Pappröhre mit einem passenden Deckel; das offene Ende stellt man über einen Schachteldeckel, in den man Salmiakgeist gießt. Das Papier darf nicht in die Flüssigkeit hineintauchen. Ein Fadenkreuz oder durchgesteckte Nadeln am unteren Ende der Röhre verhindern dies. Diesen Dünsten überlässt man das Papier eine Nacht über, dann sind die Farbtöne vollständig lichtfest. Drei farbtongleiche Stücke klebt man genau passend an schmalen Rändern mit Syndetikon zusammen.
Abb.8: Einzelheiten für die Ausführung der Knicke
Das Falten muss mit großer Sorgfalt geschehen, sonst rächt sich jede Ungenauigkeit. Man kann auch Knicke nach Abb. 9 (bei Abb.5!) anbringen; der Winkel ist erst auszuprobieren.
Abb. 9 Wie die Knicke für den Schirm in Abb. 5 gemacht werden
Die Ränder werden schräg verschnitten. An der Seite, an der der Schirm zusammengezogen wird, muss man den richtigen Winkel treffen. Hier müssen auch Löcher für die Schnur, 2 cm von Rande entfernt, mit einer "Fahrscheinzange" geknipst werden. Dann kann man die Hülle vollständig zusammenleimen. Die Lampenschirme eignen sich in verschiedenen Aufhängearten für Tisch-, Zug-, Hängelampen und Schlafzimmerampeln, für große Ständerlampen, Dielenbeleuchtungen, Dekorationszwecke usw. Die gewünschte Form lässt sich ganz einfach durch Pappdeckel erzielen, die man im zusammengezogenen Teile mit der Schnur verknüpft. Soll die Spitze nach unten hängen (Abb.3) dann klebt man drei kleine Pappstücke an den oberen Rand und zeigt durch diese die Aufhängeschnuren. Wenn der Schirm zu Tischlampen gebraucht wird, und er soll schon oben weit auseinanderstehen, so braucht man zwei Pappscheiben. Diese werden in dem Abstand, dass der Schirm im richtigen Winkel auseinanderfällt, an kleinen Holzklötzen zusammengeleimt (Abb. 13).
Abb.
13: Um den Schirm oben auseinander zu halten, bringt man zwei
Pappscheiben an, die durch kleine Holzklötzchen auseinander gehalten
werden. Bei dieser Art von Befestigung benötigt man kein Drahtgestell.
Bei dieser Art von Befestigung braucht man keine Drahtbügel, die beim Schein der Glühbirnen immer störend auffallen. Statt der Pappscheiben kann man auch geeignet durchlöchterte Holscheiben verewnden.
Wer zu den vorstehenden Ausführungen noch des Rates bedarf, wende sich an den Verfasser. Er ist zu Auskünften sehr gerne bereit. Wer sich an die Herstellung der Lichtpausen heranwagt, kann diese ebenfalls von Verfasser bezeihen. Bei einem Preie von 1 MK (3 Stück für 1 Schirm) und 0,25MK für Porto und Verpackung zahlt er die tatsächlichen Auslagen. Es können die in den Abbildungen gezeigten Muster bezogen werden oder man schicht eine Schablone nach seinem Geschmack ein.
Alfred S., Weißbach b. Wiesenburg (Sa).
Abb. 11: Schirme nach Art der Abb. 12 werden so gefaltet und an dem einen Ende mit einem Loch versehen, durch das eine Schnur gezogen wird.
Abb. 12 Fertige Tischlampe mit einfachem Schirm.
