Mineralienkästchen (so genannte Apothekerschachteln)

Arbeitsgegenstände, bei welchen die Pappe vor dem Zusammensetzen überzogen werden kann, sind ferner Mineralienkästchen. Die Pappe dazu darf nicht stärker als 1 mm sein und es wird dieselbe vorher mit dem Papier überzogen, welches dazu bestimmt ist, den Kästchen im Inneren gewünschte Farbe zu geben.

Es wird hier zu häufig blaues Papier ohne Glanz gewählt, doch halten andere es für besser, weißes zu nehmen, damit die Mineralienkästchen besser beleuchtet sind. Welches Papier aber auch gewählt wird, so verfährt man damit in folgender Weise:

Das Papier wird mit gutem Stärkekleister gestrichen. Es kommt ganz auf das Papier an, wie oft man dasselbe vorher anstreichen muss, ehe es auf die Pappe gebracht wird; denn drängt die Feuchtigkeit leicht hindurch, so kann es sofort geschehen, ist dies nicht der Fall, so muss das Papier mehrmals mit Kleister bestrichen werden; es muss gut durchweicht sein, ehe die Pappe damit überzogen werden kann.

Wenn man eine ganze Pappe mit Papier überziehen will, so muss man sich helfen lassen, sonst bekommt ein Anfänger nie den Bogen genau und sauber auf die Pappe. Der eine, welcher hilft, fasst das Papier an zwei Ecken an und hält dieselben hoch, hierauf fasst man die gegenüberliegende Seite an den Ecken und legt dieselbe am Rande der Pappe an, streicht mit beiden Hände fest und veranlasst den Gehilfen, mit dem Hochhalten langsam nachzulassen, so dass endlich der ganze Bogen, unter fortwährenden Einreiben mit beiden Händen, auf die Pappe zu liegen kommt.

Zuletzt wird der Stück trockenes Papier (Anereibepapier) aufgelegt und mittels desselben und einem Tuch oder einer Bürste der ganze Bogen nochmals fest angerieben. Wollte man hierbei kein Anreibepapier auflegen, so würde das Überzugpapier leicht zerreißen. Sollte Letzteres nicht so groß sein als die Mappe, so trage man kein Bedenken und setze einen anderen Bogen oder Streifen davon an, doch so, dass 2-3 mm übereinander gesetzt werden. Sollte später eine so zusammengesetzte Stelle auch mitten durch ein Kästchen kommen, so schadet dies bei Mineralienkästchen nichts.

Es handelt sich nun um die Größe der Kästchen, die, da die Größe der Mineralien häufig verschieden ist, natürlich auch verschieden sein muss. Trotz alledem kann die Verschiedenheit nach einem Prinzip geregelt werden, bei welchem von einer Größeneinheit oder Bodenfläche ausgegangen wird. Die Einheit sei beispielsweise 16 cm² (das heißt also 4 cm Seitenlänge), so haben die Bodenflächen der Kästchen 16, 32, 64 und 96 cm², so dass sie nach Abbildung A geordnet werden könnten und trotz der Größenverschiedenheit wie Abbildung B und C (oben) zeigt, in systematische Reihen zu bringen sind.

Abbildung A: Die Zahlen bedeuten die Größe der Bodenfläche in Quadratzentimeter

Abbildung B: Hier bedeuten die Zahlen die Reihenfolge der Fächer.

Das Zuschneiden der Kästchen geschieht so, das die Seitenwände an der Bodenfläche hängen bleiben.

Zu der beispielsweise angegebenen Größe, nach welcher das kleine Kästchen 16 cm² enthält, könnte die Höhe der Seitenwände eineinhalb Zentimeter betragen. Es würden demnach die Pappestückchen zu dieser Sorte Kästchen 7 cm lang und ebenso breit zugeschnitten werden, und da die Seitenwände aller Sorten gleich hoch sein müssen, so wäre das Muster zur zweiten Sorte (32 Quadratzentimeter Bodenfläche) 11 cm lang und 7 cm breit, zur dritten Sorte (64 cm Bodenfläche) 11 cm lang und ebenso breit, und zur vierten Sorte (96 cm Bodenfläche) 15 cm lang und 11 cm breit. Sollte eine größere Sammlung eingerichtet werden, so dass die Menge der Kästchen sehr groß wäre, so können kann man auch die ganze Arbeit bis hierher vom Buchbinder anfertigen lassen, zumal wenn derselbe eine Pappeschneidemaschine (Pappschere) hat.

Die nächste Arbeit ist das Ritzen der zugeschnittenen Packstücke, damit die Seitenwände entstehen. Diese Arbeit kann durch eine kleine Vorrichtung sehr angenehm gemacht werden, die zugleich die Genauigkeit sichert.

Das eiserne Lineal wird nämlich an beiden Enden auf Packstücke gelegt, so dass dasselbe hohl liegt, aber nur soviel, um eine zu den Kästchen zugeschnittene Pappe bequem darunter drehen und schieben zu können. Damit das Lineal fest liegt, werden vier Nägel in der Weise eingeschlagen, wie die Abbildung unten zeigt.

Zwei andere Nägel werden nach unserm angenommenen Maße für die Seitenwände eineinhalb Zentimeter vom Lineal entfernt eingeschlagen, welches genau dadurch geschieht, dass man auf der Pappe eine Linie eineinhalb Zentimeter vom Rande entfernt zieht, dieselbe unter das Lineal schiebt, so dass der genau gemessene Rand hervor steht und nun vor der Pappe die Nägel einschlägt.

Ist die Pappe genau bis an die Nägel geschoben, so drückt man auf das Lineal, damit die Pappe darunter sich nicht verschieben kann und schneidet (ritzt) mit einem scharfen Messer am Lineal herunter. Es ist wieder zu ermahnen, dass auf der Seite des Lineals, wo man schneidet, keine Facette sein darf, weil das Messer leicht abrutschen und über die linke Hand fahren kann.

Der Einschnitt darf nur bis in die Hälfte der Pappe dringen (weshalb man dieses Verfahren auch nur Ritzen nennt), und muss auf derjenigen Seite der Pappe geschehen, welche am Kästchen nach außen kommen soll – wer es umgekehrt macht, verdirbt sich die ganze Arbeit. So werden alle vier Seiten der Pappe behandelt, wodurch die eineinhalb Zentimeter breiten Seitenwände der Kästchen entstehen. Auf diese Weise ist man im Stande, in kurzer Zeit eine Menge sehr genauer Arbeiten zu liefern, und während derselben kann der jüngere Bruder oder die Schwester mit der Schere die vier Ecken (Abbildung unten) ausschneiden und dieselben als Belohnung erhalten. (Da man bei dieser Gelegenheit eine Menge sehr gleichmäßiger eineinhalb Zentimeter große Pappstückchen erhält, so lassen sich dieselben auch als Spielmarken und dergleichen verwenden.)

Hierauf werden die Seitenwände so umgebogen, dass der Ritz nach der Außenseite des Kästchens kommt, denn umgekehrt bricht die Pappe voneinander. Es handelt sich nun darum, die Ecken zu verbinden, weshalb man vorher Leimpapier anfertigen muss. Dasselbe ist recht schwaches aber festes Papier, welches man mit warmem Leim bestreicht und trocknen lässt. Zum Gebrauch für diesen Zweck wird dasselbe in 2 cm lange und eineinhalb Zentimeter breite Stücke geschnitten, wie Briefmarken angefeuchtet und damit die Ecken der Kästchen zusammengeklebt

Zuletzt werden noch die Seitenwände überzogen und man schneidet dazu Streifen von hellgrünem oder anderem Glanzpapier, welche 1 cm breiter sein müssen, als die Seitenwände hoch, und einhalb Zentimeter länger, als das ganze Kästchen Umfang hat.

Hierauf wird der Streifen mit Kleister bestrichen, etwas weichen gelassen und an einer der Kanten des Kästchens, welcher vorher mittels Leimpapier zusammengeheftet war, so angelegt, das derselbe nicht genau an die erkannte, sondern 1 mm davon entfernt ist und oben am Rande sowie unten am Boden des Kästchens einhalb Zentimeter übersteht. Legt man nun den Streifen um das Kästchen herum, so wird am Ende ein halber Zentimeter vom Streifen übrig bleiben; deswegen macht man das erste Stück, welches 1 mm von der Kante absteht, wieder los, so dass das übrig gebliebene einhalb Zentimeter lange Stück darunter geschlagen werden kann, und nun erst werden beide Enden festgemacht.

Hierauf wird das Kästchen mit der linken Hand gefasst, so dass der Boden nach oben zeigt, und mit der Schere die Ecke des halben Zentimeter breiten überstehenden Papiers eingedrückt und abgeschnitten; ist dies geschehen, kann dasselbe am Boden herumgeklebt werden.

Wollte man oben am Rande das überstehende Papier vor dem Einschlagen ebenfalls an den Ecken abschneiden (was Anfänger häufiger tun), so würde das abgeschnittene Stück in den Winkeln fehlen, weshalb weiter nichts zu tun ist, als sofort den Rand oben einzuschlagen, oder wenn das Papier in den Winkel nicht glatt anliegt, in der Richtung der Seitenkanten einen einfachen Schnitt in den Einschlag zu machen und mit dem Falzbein nachzuhelfen.

Die drei Manipulationen: das Absetzen 1 mm von der Kante, die Art, die Ecken am Boden abzuschneiden und das Einschlagen des Papiers nach dem Innern eines Kästchens wiederholen sich sehr oft, weshalb nicht genug empfohlen werden kann, genau darauf zu achten; denn nie darf ein Überzugpapier genau an die Kante oder gar darüber hinaus gesetzt werden oder davon gar etwas fehlen. Höchstens darf man, wenn der obere Rand nach innen zu eingeschlagen werden soll, einen Schnitt in das Papier von oben senkrecht nach der Ecke der Pappe zu machen, aber durchaus nichts wegschneiden.

Ein anderes Verfahren, um die Reihenkästchen anzufertigen, ist viel einfacher und die Arbeit zugleich dauerhafter. Die Pappe darf jedoch hierbei kaum 1 mm stark sein und wird bis zu dem Ausschneiden der Eckstücke genauso behandelt wie beim vorhergehenden Verfahren.

Wenn die Pappen zu den Kästchen geritzt sind, so dass man die Seitenwände aufbiegen kann, werden die Eckstückchen nicht herausgeschnitten, sondern nur an jeder Ecke ein Schnitt von a nach b gemacht.

Sobald die Seitenwände heraufgebogen worden sind, können die daran hängen gebliebenen Eckstückchen gleich benutzt werden, die Ecken zu verbinden. Es geschieht dies auf die Weise, dass man das überstehende Eckstück mit Leim bestreicht und hierüber auf die andere Seite klebt. Diese Art Kästchen braucht man, da kein Leimpapier an den Ecken ist, nicht mit farbigen Papier zu überziehen, wenn man dazu keinen besonderen Grund hat, denn wenn die Kästchen nebeneinander im Sammlungskasten stehen, sieht man doch nur das Innere derselben.

Nicht viel anders als die vorher beschriebenen Kästchen sind die Schachteln der Apotheker herzustellen, nur dass diese noch eine Hülfe bekommen, worein das Kästchen geschoben wird.

Das Kästchen wird zuerst fertig gemacht und zwar ganz auf dieselbe Weise, wie diejenigen Mineralienkästchen, bei welchen die Ecken mit Leimpapier zusammengeheftet wurden. Hierauf wird von der selben dünnen Pappe, welche auch vorher gefüttert, das heißt mit weißem Papier auf einer Seite überzogen worden war, die Hülfe zugeschnitten.

Zu diesem Zweck wird zuerst ein glatter Schnitt gemacht und von diesem aus die Länge, welche die Hülfe bekommen soll, auf die Pappe übertragen. Man legt das fertige Kästchen auf die Pappe am glatten Schnitt an und sticht entweder mit dem Messer ein Zeichen oder macht mit dem Bleistift einen Punkt, soweit vom Schnitt entfernt, als das Kästchen lang ist, und zwar an zwei Stellen.

Diese beiden Punkte a und b werden durch eine Linie verbunden oder gleich das Lineal angelegt und das Stück abgeschnitten, nach der Regel, dass das zu benutzende Stück unter das Lineal zu liegen kommt.

Man muss übrigens vorher berechnen, einen wie langen Streifen man braucht, um die Hülfe daraus machen zu können. Beim Ausmessen der Höhen- und Breitenseiten dieser Arbeit darf das Maß nicht genauso groß genommen werden, als es das hineinzuschiebende Kästchen hat, sondern stets etwas reichlicher; denn es ist zu berücksichtigen, dass es die Außenseite der Pappe ist, an welcher gemessen wird und die Differenz umso größer sein wird, je stärker die zur Arbeit verwendete Pappe ist, aus welchem Grunde ist kaum ohne vorherige Probe abgehen wird, das heißt, man muss sich zu Hülfe ein Muster machen.

Zuerst wird der Streifen an der einen schmalen Seite a (siehe Abbildung oben) rechtwinklig geschnitten, darauf die Höhe des Kästchens abgemessenen und durch eine Linie b bezeichnet, nach diesem die Breite gemessen und mit c bezeichnet, dann wieder die Höhe bis d und nochmals die Breite bis e gemessen. Was hier von dem Streifen Pappe übrig bleibt, wird rechtwinklig weggeschnitten.

Nachdem die punktierten Linien b, c, d eingeritzt und gebrochen sind, damit das Stück Pappe zu einer Hülfe geformt werden kann, befestigt man die Kanten a und b durch einen Streifen Leinwand oder Gaze.

Je nach den Zwecke des des Kästchens wählt man das Überzugpapier und berücksichtigt dabei, ob nicht Abfälle von früheren Arbeiten benutzt werden können.

Der Einschlag des Überzugpapiers an beiden Öffnung der Hülfe erfolgt in der Weise, wie bei Mineralienkästchen am oberen Rande, so dass also an den Ecken nichts vom Papier weggeschnitten wird, sondern ohne weiteres das einhalb Zentimeter überstehende Papier eingeschlagen und in den Winkeln mit dem Falzbein festgedrückt wird. Bei etwas starkem Papier ist es zweckmäßig, Einschnitte in den Winkeln des Einschlags anzubringen.

 

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