Solar-Fotopapier für Blaudruckverfahren selbst herstellen

Im Blaudruckverfahren (Cyanotypie) kann man wunderbar Karten mit einem ganz besonderen Charme basteln. Allerdings ist das dafür benötigte Papier nicht überall erhältlich. Aber: Man kann es sich auch selbst herstellen, und zwar genauso, wie man dies vor fast 100 Jahren schon machte.

Denkt bitte daran, dass ihr hier mit Chemikalien arbeitet, die “nicht ohne” sind. Ihr solltet also sämtliche Sicherheitsvorschriften, die beim Umgang mit diesen Chemikalien üblich sind, einhalten. Mehr dazu erfahrt ihr in den Geschäften oder Online-Shops, die die entsprechenden Präparate verkaufen.

Hier nun der Originaltext:

Die hohen Preise für photographische Artikel jeglicher Art machen sich immer unliebsamer bemerkbar. Auch Kopierpapiere sind sehr hoch gestiegen. Ich griff daher zur Selbsthilfe. Ich stellt mir ein Lichtpauspapier her, das im wesentlichen wohl allen Lesern bekannt ist, dessen Herstellung und Gebrauch aber vielen wissenswert erscheinen dürfte.

Man löst in 40 ccm destilliertem Wasser 8 g rotes Blutlaugensalz auf, das man vorher in Wasser abwäscht, bis es sich rein gelb löst. Diese Maßnahme ist erforderlich, weil sich im Laufe der Zeit auf den Salzstücken eine Verwitterungsschicht bildet, die beseitigt werden muss.
Die fertige Lösung filtriert man. Dann stellt man eine Lösung von 50 ccm destilliertem Wasser mit 10 g zitronensaurem Eisenoxydammonium (25 kosten jetzt 4 Mk.) her, die man auch filtriert. Die beiden Lösungen werden nun bei Lampenlicht oder in der Dunkelkammer mit 0,2 g Oxalsäure und 10 ccm destilliertem Wasser gemischt.
Nun nimmt man fertig zugeschnittenews, gutes Kanzlkeipapier, taucht die eine Seite in die gut gemischte Flüssigkeit und hängt sie dann zum Trocknen auf. Das beansprucht etwa eine Stunde.
Dann kopiert man; erst wenn das Bild ganz dunkel sichtbar ist, nehme man den Kopierrahmen aus der Sonne. Um das Bild nun lichtfest zu machen, wässert man es, bis das Wasser farblos erscheint.

Sollte man die Bilder nicht lange genug dem Sonnenlicht ausgesetzt haben, dann kann man das Bild verstärken, indem man die Bilder in eine Lösung von 1 ccm Salzsäure in 20 ccm Wasser legt.
Bei überkopierten Bildern wendet man ein schwaches Salmiakgeistbad an, bis der Bildgrund graugrünlich erscheint; dann kommt das Bild wieder ins Salzsäurebad.

Der blaue Grundton der Bilder läßt sich auch durch bestimmte Maßnahmen in einen schwarzen oder braunen verwandeln. Die Brauntönung ist einfach und billig, weshalb ich noch kurz darauf eingehen will. In einer wässerigen Sodalösung läßt man gerade so viel Gerbsäure, dass kein Bodensatz zurückbleibt; in diese Lösung legt man die Bilder, bis sie den gewünschten Ton angenommen haben.

so haben wir also hier ein Verfahren, durch das man teure Kopierpapiere und teures Tonfixierbad spart, und bei dem man bei einiger Sorgfältigkeit tadellose Ergebnisse erzielt.

 

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