Wie man einzelne Blätter zu einem Buche vereinigen kann

In meinem Bücherschrankt hatten sich eine Menge von Zeitungsausschnitten, einzelnen Blättern aus Zeitschriften, statistischen Merkblätter, wissenschfatlichen  Beilagen und eine Anzahl von Zeitungsromanen, die des Aufhebens wert waren, angesammelt. Alle diese Sachen ungeheftet so aufzuheben, dass man sie jederzeit auch gut geordnet zu Nachschlagezwecken zur Verfügung hat, ist nicht ganz leicht. Sie alle mit einem stattlichen Bucheinband zu versehen, lohnt sich aber manchmal nicht, obwohl sie immerhin einen gewissen Wert besitzen. Hätte man z. B. einzelne Blätter in der üblichen Weise zu einem Buche zu vereinigen versucht, so wäre das eine langwierige Arbeit gewesen und der Erfolg hätte der aufgewendeten Mühe nicht entsprochen. Daher bin ich auf einen anderen Ausweg gekommen, der mich gänzlich zufrieden stellt.


Zur Erläuterung binden wir einen Roman aus der „Woche“, der in etwa zehn verschiedenen Heften enthalten ist. Die entsprechenden Bätter werden sorgfältig den einzelnen Nummern entnommen. Ob sich dabei unter ihnen auch zweizusammenhängende  Blätter oder einzelne Lagen befinden, bleibt sich gleich. Alles wird genau sortiert und in der richtigen Reihenfolge aufeinandergelegt, doch so, dass alle Ränder möglichst genau übereinander zu liegen kommen. Das gilt ganz besonders vom Rücken. Die Blätter werden etwas gepresst und gleichzeitig der Rücken gut mit Leim bestrichen (Abb. 1). Dann schneidet man einen Streifen weißes Papier so lang, wie die zu heftenden Blätter sind und 2 cm breiter als der Rücken. Dieser mit Leim bestrichene Streifen wird sorgfältig und straff an den Rücken angelegt, gut angerieben und von hinten 1 cm umgeschlagen (Abb. 2, 3).


Während die geleimten Blätter gepresst werden, schneidet man sich einen Aktendeckel von der Größe der Blätter zurecht und falzt ihn so, dass die Breite seines Rückens  genau derjenigen der zu binden Blätter entspricht. In diesem Umschlag werden nun die geleimten Blätter gelegt und festgehalten, damit sie nicht verrutschen. Passt alles genau, so gibt man 1 cm vom Rücken aus auf dem Umschlag 4, 5 oder je nach der Größe der Blätter auch noch mehr Punkte an durch die der Heftfaden gehen soll. Mit dem Drillbohrer bohrt man an den angegebenen Punkten Löcher durch Umschlag und Blätter. Dann wird am besten mit doppeltem Faden nach folgendem Schema geheftet (Abb.4). Anfang und Ende werden gut verknotet.  Damit der Knoten nicht so leicht zu sehen ist, beginnt man mit dem Heften vorteilhaft auf der Rückseite unten. Die vordere Seite des Umschlages ritzt man am besten 1/4 oder 1/2 cm vom Faden oder, was dasselbe ist, 1 1/4 oder 1 1/2 cm vom Rücken aus, einmal, um das Umschlagen dieses Deckblattes besser und gleichmäßiger bewirken zu können. Zuletzt erhält der Rücken noch einen Streifen andersfarbigen Papieres oder Kalikos von solcher Breite, dass man auf der Vorder- und Rückseite nach Belieben 2-3 cm umschlagen kann, doch mindestens so weit, dass man Löcher und Heftfaden zudeckt. Zuletzt wird alles beschnitten und das Buch ist fertig.
Obwohl das ganze Verfahren einfach ist, sehen die Bücher doch ordentlich aus und sind sehr dauerhaft.
Auf die gleiche Weise habe ich mir die Sammelalben für selbsthergestellte Photographien gearbeitet. Der Umschlag steht bei den Alben des besseren Aussehens wegen etws über. Um die Sache geschmackvoll zu machen, nahm ich zum Heften einen Goldfaden, begann mit dem Heften in der Mitte oder im unteren Drittel der Vorderseite, versah den Rücken des Umschlags nicht mit andersfarbigem Papier, sonder knüpfte den Goldfaden eine hübsche Schleife.
Handelt es sich darum, die einzelnen Blätter wieder aus dem Einband herausnehmen zu können, dann habe ich mir für die zu heftenden Blätter Sammelmappen in den verschiedensten Größen und Maßen nach der Art der Schnellhefter hergestellt. Je nach der Größe der zu sammelnden Papiere haben sie folgende Maße: Für Gasrechnungen 34×12 cm, für allerelei Vereinsquittungen 18×5 cm, 22×13 cm, usw. Für Kontoauszüge vom Postscheckamt benütze ich Mappen im Format 23×17 cm, für Lastschriftzettel 13×9 cm und für die Abschnitte der Zahlkarten 12×8 cm. Die genannten Formulare für den Postscheckverkehr werde ich künftig in einem Umschlag unterbringen. Anordnung und Maße ergeben sich aus Abb. 5. Zu all den erwähnten Sammelmappen benötige ich außer einem Locher je einen Aktendeckel oder einen Teil davon und einen Streifen Weißblech in der Breite der Lochöffnung von 5 mm und in einer Länge von etwa 15 bis 20 cm. Er wird aus einer Konservenbüchse gewonnen. Die Ränder werden nach dem Abschneiden gut abgefeilt, um Verletzungen zu verhüten.  Den Streifen ziehe ich 1 1/2 bis 2 cm vom Rücken des Aktendeckels durch die Rückseite des Umschlags, wie Abb. 6 zeigt. Die Breite des Rückens richtet sich nach der Zahl der zu heftenden Blätter.
Ein Reststück vom Aktendeckel wird gelocht und ist das Deckblatt. Soll die Sammelmappe besonders dauerhaft sein, so empfiehlt es sich, aus zwei Pappen und einen Kalikorücken eine Schale herzustellen und den Blechstreifen in derselben Weise einzuziehen.
Mit meinen Sammelmappen bin ich sehr zufrieden. Man hat jederzeit alles in bester Ordnung, es geht nichts verloren, langes Suchen ist unnötig und die ganze Einrichtung kostet beinahe nichts.

Von Gewerbelehrer Hans Felix Z.

vor 7 Tagen

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