Die Weiterbehandlung auf Schnur gehefteter Bücher

Zunächst nehmen wir das gewöhnliche Verfahren vor, das wohl den meisten bekannt sein wird. Die beiden Deckel werden so geschnitten, dass sie oben und unten 2 bis 3 mm über das Buch vorstehen, die Breite nimmt man etwa 1 mm größer als die Buchbreite vom Falt an gemessen. Dann schneidet man sich einen Leinwandrücken zurecht, etwa 5 cm breiter als die Abwicklung des Buchrückens (Abb. 16) und etwa 4 cm länger als die Buchdeckel. Auf diesen Rücken leimt man in der Mitte einen Streifen dünnen Karton oder sehr starkes Papier von gleicher Länge wie die Deckel und der genauen Breite des Rückens (Abb. 17).

Dann leimt man die beiden Deckel an den Rücken so, dass sie von dem Kartonstreifen etwas mehr als die Deckelstärke abstehen; oben und unten schlägt man dann die Rückenleinwand ein (Abb. 18).
Nach Belieben kann man auch Leinwandecken an die Deckel machen und überzieht dann nach Geschmack mit Buntpapier. Die Buchdecke ist jetzt fertig und heißt in dieser Ausführung Halbleinenband.
Auf die gleiche Art macht man den Ganzleinenband, und mit einem Rücken aus Karton den Pappband. Ich habe die Halbleinenausführung der Beschreibung zugrunde gelegt, weil mir diese für den Bastler als am geeignesten erscheint.

Nun kommt das Einhängen des Buches. Zuvor werden noch die beiden Heftfälze beschnitten, indem man ein Stück Pappe unterschiebt und mit dem Messer und Lineal die Fälze auf etwa 2 ½ cm abschneidet. Dann bestreicht man den Buchrücken mit kräftigem Leim und legt das Buch rasch in die Deckel, wobei man sehr aufpassen muss, das der Rücken gut in die Mitte kommt. Har man die richtige Lage, dann klappt man die Deckel um das Buch und reibt den Rücken fest an, am besten legt man ein Papier darüber, damit die Leinwand nicht beschädigt wird. Wenn der Leim angezogen hat, klappt man einen Deckel auf und bestreicht das Vorsatzblatt und den Heftfalz mit Kleister, also auch unter dem Falz, dann klappt man den Deckel zu und verfährt auf der anderen Seite gerade so.
Nun überzeugt man sich, ob sich nirgends Kleister herausgedrückt hat, legt das Buch zwischen zwei Brettchen in die Presse und zieht diese nur wenig an. Nach einigen Minuten nimmt man das Buch wieder heraus und überzeugt sich nochmals, ob nirgends Kleister herausgetreten ist.
Wenn dies der Fall ist, wischt man sorgfältig ab und legt dann auf beiden Seiten zwischen Deckel und losem Vorsatzblatt ein Blatt weißes Papier, worauf man das Buch endgültig zum Trocknen in die Presse spannt. Das Trocknen dauert etwa einen Tag bzw. eine Nacht.

Bei diesem Verfahren hängt viel davon ab, dass man beim Aufleimen der Deckel auf den Rücken den richtigen Abstand errät, und dass Buch und Deckel auf beiden Seiten gleich groß und rechtwinklig sind.

Wenn man nun aber die Bücher mit dem Beschneidehobel bearbeitet, so wird man selten erreichen, dass sie genau rechtwinklig und auf beiden Seiten gleich groß werden, das gelingt selbst dem Kunstbuchbinder nicht immer, deshalb wendet man bei Herstellung der Decke und beim Einhängen des Buches ein anderes Verfahren an, das diese Fehler berücksichtigt und verdeckt.
Zunächst zeichnet man sich jeden Buchdeckel für sich an, indem man ihn in den Buchfalz legt und die Buchecken mit Bleistift markiert. Vorn gibt man dann wieder einen, oben und unten 2 bis 3 mm zu und schneidet die Deckel parallel den Buchkanten. Jeder Deckel wird dann gezeichnet, so dass man weiß, was oben und unten, vorn und hinten ist. Aus dünnen Karton falzt man sich einen Rücken, der genau dem Buchrücken angepasst ist (Abb. 19 und 20).

Die Länge ist gleich der der Deckel, die geraden Enden müssen etwas kürzer sein, als der beschnittene Heftfalz und werden zugeschärft. Dies lässt sich mit einem scharfen Papiermesser auf einer Glasplatte leicht ausführen. Dieses Zuschärfen verhindert, dass später innen im Buch einen Erhöhung sichtbar ist, es muss aber recht sorgfältig gemacht werden, damit die gerade Linie erhalten bleibt, der Karton darf nicht aussehen wie Abb. 21.
Ein Kartonstreifen von der Breite des Buchrückens wird in die Mitte des Kartonrückens geleimt, um diesen noch haltbarer zu machen. Die Papierhülse auf dem Buchrücken kann diesmal wegbleiben, man leimt diesen nur mit Gaze oder starkem Papier.
Den fertigen Rücken legt man jetzt genau um das Buch und bestreicht, währende man das Buch in der Hand hält, den einen Lappen des Kartonrückens mit Leim und klebt ihn auf den Vorsatzfalz, worauf man mit dem Lappen der anderen Seite gerade so verfährt. Nun leimt man die Deckelpappen an den mit dem Falz verleimten Rücken; zum Anleimen schiebt man ein Blatt Papier unter den Falt. Die Deckel kann man schon zuvor mit Leinwandecken versehen.
Erst wenn dann die Deckel angeleimt sind, überzieht man den Rücken mit Leinwand, man macht den Streifen wieder etwa 5 cm breiter als die Rückenabwicklung, aber nur so lang, dass er oben und unten 8 bis 10 mm vorsteht. Die Leinwand wird mit Leim bestrichen und auf den Rücken des geschlossenen Buches gelegt und fest angerieben, hauptsächlich auch mit dem Falzbein in die Rinne zwischen Deckel und Buchfalz gedrückt. Jetzt handelt es sich noch darum, oben und unten vorstehenden Teil einzuschlagen; zu diesem Zweck muss man den Heftfalz, der bereits angeleimt ist, in den Ecken etwas einreißen, dann stellt man das Buch aufrecht auf den Tisch und schlägt es auseinander, so dass der Rücken hohl wird (Abb.22).
Nun leimt man die inzwischen getrockneten Leinwandenden nochmals an und schlägt sie unter Zuhilfenahme des Falzbeins rasch um, so dass man, ohne das Buch zu verschmieren, durch die Risse im Heftfalz kommt. Die Sache ist nicht so schwierig, wie es den Anschein hat, das zweite Mal geht es schon besser und man wird ja außerdem für seine ersten Versuche nicht gleich ein wertvolles Buch nehmen. Das Einschlagen der Rückleinwand kann man ja auch vorher ohne Leim etwas ausprobieren.
Wenn nun alles wohl gelungen ist, kommt der äußere Überzug auf die Deckel, worauf gleich das Vorsatz angeklebt und das Buch gepresst wird. Dieses Verfahren ist nicht umständlicher als das andere und liefert wirklich gut passende Rücken, die niemals ein Klaffen der Buchdeckel hervorrufen können.
Wer einigermaßen sauber arbeitet, wird wirklich sachgemäß gebundene Bücher erzielen, denen niemand ansieht, dass sie nicht vom Fachmann gemacht sind.
Damit ist aber die Buchbinderei noch lange nicht erschöpft, sie kann vom Liebhaber noch weiter gepflegt werden, wenn er sich auf das Gebiet des Kunstgewerbes begeben will. Die kostbaren Lederbände mit Goldschnitt und Goldpressung, mit handgestickten Kapitalbändern usw. sind eine dankbare Arbeit auch für den ernsthaften Bastler.

Wie bereits hier beschrieben, haben wir die gehefteten Bücher von der Heftlade abgeschnitten, so dass auf jeder Seite Bunde von 4 bis 6 cm Länge bleiben, wollen wir das Buch fachgemäß fertig stellen.

(Diese Zeichnung findet ihr im Anhang noch einmal in Originalgröße)

Zunächst kommt das Ankleben des Heftfälzchens. Man legt das Buch an die Tischkante und klappt das oberste Heft um; so dass es am Tisch herunterhängt (Abb. 1).
Auf die Oberseite des Fälzchens gibt man nun mit dem Finger ganz vorsichtig etwas Kleister und klappt das Heft wieder auf das Buch. Nun kommt ein kleiner Trick, den nicht jeder weiß und dessen Bedeutung später erklärt wird. Man zieht das Heft etwas nach hinten, so dass es ein wenig über den Buchrücken herausragt (Abb. 2) und reibt nun erst mit dem Falzbein gut an, damit das Fälzchen gleichmäßig anklebt. Man überzeuge sich vorsichtig, ob sich kein Kleister herausgedrückt hat und das Buch verklebt. Erst wenn man sicher ist, dass das Fälzchen hält, höre man mit dem Falzbein zu reiben auf. Die andere Buchseite behandelt man gerade so.

Ehe wir nun weiter arbeiten, lassen wir die Heftfälzchen gut antrocknen, was in etwa einer Stunde geschehen ist.

Dann kommt das Aufschaben der Bünde. Dazu benötigt man ein Aufschabeblech, das sich jeder leicht selbst herstellen kann (Abb. 3).

Am besten ist ein Stück Stahlblech von etwa 1 mm Stärke, das in die gezeichnete Form gebracht wird. Die Schlitze für verschiedene Schnurstärken lassen sich leicht mit einer Dreikant- oder Halbrundfeile einarbeiten.

Das Ausschaben der Bünde geschieht, indem man den Bund durch einen Schlitz des Schabeblechs führt, das Blech fest auf das Buch drückt und mit dem scharfkantigen Rücken des Papiermessers über der Schnur hin und her fährt. Dadurch wird diese zerfasert und es bleibt ein Bündel von Fasern stehen, das man später auf gleichmäßige Länge abschneidet.
Wenn alle Bünde geschabt sind, werden sie aufgeklebt. Zuvor muss aber noch auf einen weiteren Trick aufmerksam gemacht werden. Würde man nämlich nur so wie vorstehend beim Ausschaben verfahren, so bekäme man später Schwierigkeiten, weil die Bünde an den Stellen, wo sie aus dem Rücken heraustreten, zu dick sind und Knoten bilden (Abb. 4).
Um dies nun zu verhindern, zieht man die Bünde zum Ausschaben etwa 5 mm aus dem Buch heraus und nach dem Ausschaben wieder zurück. Dadurch hat man dann an den Rückenkanten nicht mehr die volle Schnur, sondern ausgeschabten Bund, der sich gut um die Kanten legt und nicht aufträgt.

Sind dann alle Bünde geschabt und abgeschnitten, dann werden sie mit Kleister auf den Heftfalz aufgeklebt. Man breitet sie schön fächerartig aus, gibt etwas Kleister darauf und verreibt ihn fest mit dem Falzbein, wobei man den Bund recht gleichmäßig verteilt (Abb. 5).

Beim Ankleben an der zweiten Buchseite kann man mit den Bünden das Buch nochmals fest zusammenziehen, während man mit dem Hammer auf den Rücken klopft. Bei dicken Büchern wird dies immer nötig sein.

Wenn die Bünde getrocknet sind, geht es an das Leimen des Buches. Man stößt es zunächst nach Rücken und Oberkante recht genau. Legt es zwischen zwei Brettern die mit dem Rücken ganz bündig, d. h. eben sein müssen und bestreicht den Rücken mit Leim, während man fest auf das oberste Brett drückt. Das Ganze lässt man über die Tischkante vorstehen, um den Tisch nicht zu beschmieren (Abb. 6).
Der Leim soll mittlere Stärke haben, so wie man ihn beim Buchbindern auch zum Kleben verwendet. Man muss recht fix arbeiten, denn gleich nach dem Anleimen fährt man mit der Schmalseite des Hammers einige Mal kräftig den Rücken entlang, wobei man aber immer noch fest auf das Brett drücken muss. Dann taucht man den Pinsel nochmals in Leim, streicht ihn gut ab und fährt nochmals über den Rücken, so dass ein ganz schwacher Leimüberzug bleibt. Die käuflichen Leimbretter sind innen mit Blech beschlagen, es geht aber ganz gut auch ohne dieses. Nach Gebrauch säubert man die Brettkanten mit heißem Wasser.
Nun legt man das Buch zum Trocknen beiseite. Nachdem dies geschehen ist, wird es angezeichnet, wie es beschnitten werden soll. Man schneide nur so viel ab, als unbedingt nötig ist, weil ein Buch mit schmalen weiten Rändern sehr schlecht aussieht. Zunächst ist nur der Vorderschnitt, also an der Längskante auszuführen.
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, erstens die Papierschneidemaschine, zweitens den Beschneidehobel. Die erstere wird wohl selten ein Bastler zur Verfügung haben, es gäbe also nur die Möglichkeit, das Buch bei einem Buchbinder beschneiden zu lassen, das ist aber in viele Fällen recht umständlich, zumal man genötigt ist, mit dem Buch später zur Ausführung der beiden anderen Schnitte nochmals zum Buchbinder zu gehen.
Der richtige Bastler macht alles selbst und benützt den Beschneidehobel, den er sich nach einer später folgenden Beschreibung auch selbst anfertigen kann; in dieser wird dann auch die Handhabung ausführlich erläutert.

Wenn nun also der Vorderschnitt ausgeführt ist, wird das Buch rund geklopft. Zu diesem Zweck legt man es vor sich hin, mit dem Rücken nach auswärts und schlägt mit dem Hammer leicht den Rücken entlang, wobei man mit der andern Hand fest auf das Buch drückt und eine ziehende Bewegung dabei macht, die man unterstützt, indem man den Daumen an den Vorderschnitt anlegt. Das ganze Buch wird dadurch etwas verschoben (Abb. 7). Nach einigen Schlägen dreht man das Buch um und fährt so mit wechselseitigem Klopfen und Ziehen fort, bis der Rücken gerundet ist und der Vorderschnitt eine schöne gleichmäßige Höhlung zeigt (Abb. 8). Wie ein Buch aussehen soll, weiß ja jeder selbst.
Nun auch die Erklärung, warum man beim Ankleben des Heftfälzchens die äußeren Hefte etwas nach außen zog. Hätte man nämlich dies unterlassen, so hätten die äußeren Hefte am Rundklopfen sozusagen gar nicht teilgenommen und das Buch hätte ein Aussehen bekommen, wie in Abb. 9. angedeutet.

Wenn aus irgendeinem Grunde der Schnitt nicht gut gelungen ist, so lässt sich die Sache leicht verbessern. Man spannt das Buch zwischen zwei Bretter fest in die Presse und feilt mit einer guten Halbrundfeile den Schnitt zurecht; mit Glaspapier oder, wenn man sie hat, mit einer runden Ziehklinge kann man ihn dann noch weiter glätten.

Nach dem Rundklopfen kommt das Abpressen, durch dieses wird dem Rücken erst die endgültige Form gegeben. Das Buch wird zwischen Brettchen so in die Presse gespannt, dass es über die Brettchen etwa um 2 bis 4 mm herausragt (Abb.10). Nun schlägt man vorsichtig mit der schmalen Hammerseite von der Mitte des Rückens ausgehend auf diesem entlang, und zwar abwechselnd nach beiden Seiten, bis der Rücken ganz auf die Bretter heruntergeklopft ist. Der Rücken muss dann die Form Abb. 11 haben. Wenn dies gut gelungen ist, bestreicht man ihn ganz dick mit Kleister und lässt diesen einige Minuten den Leim des Rückens aufweichen. Dann streicht man mit der schmalen Hammerseite den Kleister samt dem Leim herunter und wischt mit einem Ballen Papierspäne nach. Hierauf bestreicht man den Rücken dünn mit Leim.
Bei dicken Büchern leimt man vorteilhaft ein Stück Stoff, Gaze oder dergleichen auf, um die Festigkeit des Rückens zu erhöhen.

Wenn der Leim getrocknet ist, geht es an das Beschneiden des Ober- und Unterschnittes. Es macht sich sehr gut, wenn man die Schnitte etwas färbt; am einfachsten ist das Spritzen, das auch den großen Vorteil hat, etwaige Fehler im Schnitt zu verdecken, und zwar beruht diese Wirkung in der Flächenauflösung. Man fertigt sich ein kleines Spritzgitter aus Draht von etwa 5 mm Stärke und schwachem Drahtgeflecht von etwa 10 mm Maschenweite (Abb. 12).
Zum Spritzen kann man alles nehmen; Tinte, Tusche und Wasserfarbe. Das Buch wird recht fest zwischen Brettern in die Presse gespannt, eine alte Zahnbürste in die Farbe getaucht und gut abgestrichen, das Gitte über den Schnitt gehalten und mit der Farbbürste darüber gefahren. Man probiert aber immer vorher auf einem Stück Papier. Die entstehenden Tupfen sollen ganz fein sein.

Nun kommt noch das Anfertigen der Decken und das Einhängen des Buches, was wieder ein Kapitel für sich ist. Zunächst wird das Buch mit Kapitalband versehen, das man sich fertig kaufen oder aus Leinen und Papier mit Bindfadeneinlage selbst fertigen kann. Das Kapitalband wird so auf den Rücken geleimt, dass der Wulst über den Schnitt hergreift (Abb. 13). Dann hat man noch die Hülle aufzukleben, diese fertigen wir aus Backpapier, genau der Breite des Rückens entsprechend, leimen sie auf diesen auf und reiben fest an (Abb. 14 und 15).

Nun gibt es für das Anfertigen der Buchdeckel, beziehungsweise das Einhängen der Bücher zwei Verfahren.
Das erste wendet der Buchbinder bei gewöhnlichen Büchern an, die in größeren Mengen gefertigt werden, das zweite bei besseren Büchern, die einzeln hergestellt und von Hand beschnitten werden. Das Beschneiden mit dem Beschneidehobel wird nämlich heute noch geübt, und zwar besonders bei kostbaren Büchern, die kunstgewerbliche Einbände bekommen; bei solchen ist jede Maschinenarbeit verpönt .

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